Archiv für Januar 2008

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75 Jahre nach der Machtübernahme – Wenn Schüler Geschichte vergessen

Samstag, 26. Januar 2008

Hamburg/Berlin (dpa) – Wann Adolf Hitler an die Macht gekommen ist? «1933 war das, im November», sagt ein Schüler. «Quatsch, Oktober», meint ein anderer. Die Antworten an einer Hamburger Berufsschule auf Fragen nach der NS-Zeit zeigen, dass dieses Kapitel deutscher Geschichte häufig vergessen wird, dass Hintergründe und Ursachen aus dem Blick geraten. Wie Hitler an die Macht gekommen ist? Schulterzucken, Schweigen. Dann wirft ein 17-jähriger richtig, wenn auch verkürzt ein: «Der ist doch sogar gewählt worden.» Was sie mit Hitler verbinden? «Judenvernichtung», sagt einer. Die meisten aber glauben: «Der hat die Autobahnen gebaut.»

Vor 75 Jahren begann am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch Präsident Paul von Hindenburg die Umwandlung der zerfallenden Demokratie in eine Diktatur und damit die zwölfjährige Terror-Herrschaft der Nationalsozialisten. Dass die erste inoffizielle Autobahn bereits 1932 eröffnet wurde und die eigentlichen Pläne aus der Weimarer Republik stammen, ist unbekannt. «Die Amis waren und sind sowieso viel schlimmer», sagt ein 17-Jähriger. Und einem Mitschüler fällt noch ein: «Hitler war doch Schweizer» – obwohl er aus Österreich stammte.

«Es ist erschreckend, was Schüler und Studenten heute über diese Zeit noch wissen», sagt der Bremer Professor für Erziehungswissenschaften, Freerk Huisken. Zusammen mit Rolf Gutte hat er das Buch «Alles bewältigt, nichts begriffen! Nationalsozialismus im Unterricht» verfasst. Rund 60 Lehrbücher haben sie untersucht. «Das Geschehen wird reduziert auf Machtergreifung, Holocaust, Antisemitismus, Euthanasie und Zweiter Weltkrieg», kritisiert Huisken.

Die Ursachen, warum sich der Faschismus aus der Demokratie heraus entwickeln konnte, und Parallelen zu heute würden ausgeblendet. Schon der Begriff «Machtergreifung» sei falsch, weil es sich nach den NSDAP-Wahlerfolgen 1932 um einen zunächst legitimen Machtwechsel gehandelt habe. Die Frage, wie die Nazis ihre Herrschaft etablierten, bleibe durch Aussparen der Wirtschafts-, Sozial- und Familienpolitik häufig unbeantwortet. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden,
Charlotte Knobloch, hatte 2007 kritisiert, dass die Weimarer Republik in den Geschichtsbüchern zu kurz komme: «Wir müssen der Frage nachgehen, wie es zum Nationalsozialismus kommen konnte.»

Studenten in seinen Seminaren legt Huisken regelmäßig eine Sammlung anonymisierter Zitate von Hitler, Willy Brandt, Gerhard Schröder, Helmut Kohl und Angela Merkel sowie von der NPD und aus dem Grünen-Programm vor. «Bei der Zuordnung passiert es immer wieder, dass Hitler-Zitate Willy Brandt und NPD-Aussagen den Grünen zugeschrieben werden.»

Kürzlich hatte ein 30-Jähriger aus Schleswig-Holstein im Internet ein T-Shirt mit einem gelben Judenstern und dem Wort «Raucher» in dessen Mitte zum Verkauf angeboten. Keineswegs war ein rassistischer Hintergrund zu unterstellen, sondern Unwissenheit. Er sah Raucher ähnlich ausgegrenzt wie damals die Juden – ein Vergleich, der scharfen Protest des Zentralrats der Juden hervorrief.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes (DPHV) in Berlin, Heinz-Peter Meidinger, sieht bei Lehrplänen an Schulen kein Defizit. Es gebe vielmehr ein Übersättigungsgefühl, viele Schüler empfänden den Unterricht als zu trocken. «Und es gibt ein starkes Konkurrenzangebot durch Fernsehen und Filme, wo vieles verkürzt dargestellt wird.»

Zudem sieht der Oberstudiendirektor einen Einfluss «bösartiger Computerspiele», die das NS-Regime verharmlosen. «In den Köpfen der Kinder und Jugendlichen sind unheimlich viele Bilder, die sie nur schwer zusammenbringen.» Durch die aussterbende Kriegsgeneration fehlten den etwa 11 Millionen Schülern zunehmend die authentischen Zeitzeugenberichte. «Dadurch geht bei vielen jungen Menschen das Grundverständnis verloren.»

Der 53-Jährige betont aber auch, dass es zahlreiche Schüler mit großem Interesse an dem Thema gebe. Auch das Beispiel der Hamburger Schule zeigt, dass sich keine Pauschalurteile über die dritte und vierte Generation nach der NS-Herrschaft fällen lassen. So wendet der 17-jährige Patrick ein: «Ich finde, das muss ein Thema bleiben. Denn wenn es vergessen wird, kann es nochmal passieren».

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Neues Jahr – Neues Glück

Donnerstag, 17. Januar 2008

Erst einmal ein (wenn auch leicht verspätetes, dafür aber herzliches) frohes neues Jahr! Unser Winterschlaf ist vorüber und wir wollen uns wieder den mehr oder weniger wichtigen Meldungen, die den Bereich der Bildung betreffen, widmen.

Das alte Jahr endete mit einem Paukenschlag: Was wir Jungen schon immer dachten, ist nun Gewissheit: Der „Spiegel“ meldete am 22.12.2007, dass Jungen bei gleichen Leistungen in Deutsch, Mathematik und Sachkunde schlechtere Noten bekämen. Dabei beruft sich der Spiegel auf eine Studie des Bildungsministeriums, für die verschiedene Studien ausgewertet wurden. Begründet wird dieser Missstand, damit, dass der Unterricht vor allem in der Grundschule sich zu sehr an den Interessen der Mädchen orientiert. Bis jetzt ungeklärt ist allerdings noch, wie ein Unterricht aussieht, der an den Interessen der Jungen orientiert ist aussehen soll.

Am 8. Januar ging es mal weider um Studiengebühren. Mehrer Studenten der Freibgerger Universität hatten gegen die Praktiken der Uni, die Studenten von Studiengebühren befreit, wenn sie ein anerkanntes Stipendium besitzen und dies mit einem IQ-Test nachweisen können, geklagt und bekamen jetzt vor dem Verwaltungsgericht in Freiburg Recht. Die Uni muss nach Ansicht der Richter auch besonders gute Leistungen während des Studiums honorieren, auch wenn der Student keinen IQ von 130 nachweisen kann.

Wer studiert bekommt im Schnitt fünf bis sechs Prozent mehr Lohn als Hochschulabsolventen Friedhelm Pfeiffer vom Zentrum für Europäische (ZEW). Er sieht darin einen gerechten Augleich für die Entbehrungen während des Studiums. Besonders attraktiv sind dabei die Fachbereiche Recht- und Wirtschaftswissenschaft sowie Medizin, mit gewissem Abstand auch die Mathematik- und Naturwissenschaften sowie die Ingenieurwissenschaft. Studieren lohnt sich also, auch im Jahr der Mathematik.

Aber auch die Ausbildungen werden im Schnitt besser gezahlt als leztes Jahr. Der Durchschnittliche Auszubildende bekommt 15 Euro mehr. Das Gehalt stieg im Mittel also von 613 auf 628 Euro an. Dabei verdient man im Westen 644 Euro, im Osten hingegen nur 551 Euro. Das innerdeutsche Vergütungsgefälle hat sich aber im Vergleich zum letzen Jahr etwas angegleichen.

Zum Schluss nocheinmal die Studiengebühren, denn auch im neuen Jahr sorgen sie weider für reichlich Zündstoff. So berichtete die dpa:

Wiesbaden (dpa) – Der hessische Staatsgerichtshof verhandelt erst nach der Ende Januar anstehenden Landtagswahl über die Zulässigkeit von Studiengebühren in Hessen. Die mündliche Verhandlung wurde für den 13. Februar angesetzt, wie das Gericht am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Seit dem vergangenen Herbst müssen Studenten in Hessen 500 Euro pro Semester bezahlen. SPD und Grüne haben gegen das Gesetz der DU-Regierung Klage erhoben, die Landesanwältin schloss sich dem an. Auch ein landesweites Bündnis hatte rund 71 000 Unterschriften gesammelt und eine Volksklage eingereicht. Ein Urteil wird für Mitte des Jahres erwartet.